Zwischen zwei Welten

Im P-Seminar "Interkulturelle Begegnungen" übernehmen Schüler Patenschaften für Kinder von Flüchtlingsfamilien aus Fürth

In dem Seminar beschäftigen sich die zehn SchülerInnen der Q11 und ihre Seminarleiterin Frau Flasche mit dem derzeit sehr aktuellen Thema Flucht und Asyl. Dahinter steht vor allem der Wunsch, den Menschen praktisch helfen. Je zwei oder drei der Schüler betreuen eine Familie, besuchen die Kinder regelmäßig am Wochenende und helfen ihnen dabei, ihr Deutsch zu verbessern. Genauso wichtig ist es für die Menschen aber auch zu spüren, dass sie hier willkommen sind und ihren Kulturen mit Interesse und Respekt begegnet wird.

Die Mütter und Väter haben noch keine Arbeitserlaubnis und haben es dadurch schwer, einerseits ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und andererseits in Kontakt zu Deutschen zu treten. Sie leben also ziemlich isoliert, was man den Kindern auch anmerkt. Sie haben oft außerhalb der Schule keine Beschäftigung und sind daher immer froh, wenn sie Besuch von ihren Paten bekommen. Seit dem ersten Kennenlern-Treffen im Oktober 2014 sind dadurch schnell enge Bindungen entstanden. Hier ein kurzes Porträt der vier Familien: 

„Essen, Fußball, Hausaufgaben machen – das sind die Hauptbeschäftigungen in unserer Familie. Am Anfang dachten wir, es wird anstrengend – und wir haben es noch unterschätzt! Aber es macht auch unglaublich viel Spaß, mit diesen lebensfrohen Wirbelwinden unsere Zeit zu verbringen. Jetzt aber zu unserer Familie. Bei unseren Flüchtlingskindern handelt es sich um drei Jungen, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in Fürth wohnen und insgesamt schon zwei Jahre in Deutschland sind. Jawad, der Älteste, ist 13 und interessiert sich für alles, was in der Welt passiert – vor allem aber für Fußball. Auch bemüht er sich sehr in der Schule, doch leider machen sich seine fehlenden Deutschkenntnisse in seinen Noten bemerkbar. Jahid, der mittlere der Jungentruppe, ist 10 Jahre alt und will stets im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Später möchte er gerne Polizist werden. Der kleine Qasid ist mit seinen 6 Jahren noch richtig anhänglich. Alle drei haben wir sehr in unser Herz geschlossen und zusammen erleben wir mit unserer Rasselbande einiges an Abenteuern.“
Sofie Lachmann, Ramona Stettner & Marcus Gicklhorn

„Wenn wir unsere Patenfamilie mit drei Wörtern beschreiben müssten, dann wären Dankbarkeit, Aktivität und Familienzusammenhalt zu nennen.  Die achtköpfige Familie ist vor einem Jahr von Tschetschenien nach Deutschland geflohen. Sie wohnte bis Mai circa 10 Monate lang in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Fürth, mussten dann aber ganz kurzfristig nach Vach in eine viel kleinere Wohnung mit nur einem Zimmer umziehen. Die Kinder Zalima (13), Rajana (10), Muhamed (7), Salman und Salhan (6), sowie Jasmina (3) leben dort mit ihren Eltern sehr beengt und freuen sich deswegen immer, wenn wir mit ihnen zu Spielplätzen oder Parks gehen. Abgesehen von Schule und Kindergarten haben die Kinder leider kaum Beschäftigung, sodass sie oft fernsehen und auch fast keinen Kontakt zu deutschen Kindern haben. Seit die drei Ältesten die Schule besuchen, haben wir schon erhebliche Fortschritte im Deutschsprechen bemerkt. Das ist hilfreich, da wir jetzt mit ihnen auch über Dinge, die sie oder uns beschäftigen, reden können.  Unsere Beziehung hat sich deshalb auch sehr verbessert, da wir für die Kinder ein echter Ansprechpartner sowohl für Probleme als auch für Erlebnisse, die jemandem erzählt werden müssen, geworden sind. So entstand eine engere Bindung als am Anfang, wo wir nur mit ihnen spielen konnten, weil die Sprachbarriere noch nicht überwunden war. Wir sind froh, für unsere Patenkinder da sein zu können und mit ihnen ein paar tolle Stunden am Wochenende zu verbringen. Die Besuche sind zwar oft anstrengend, aber es lohnt sich immer, allein schon wegen des dankbaren Lächelns der Eltern.“
Andrea Litke, Alina Oeder & Denis Engelhardt

Wenn man unsere beiden iranischen Patenkinder Sogol (8) und Fatemeh (10) sprechen hört, denkt man gar nicht, dass sie erst knapp 3 Jahre in Deutschland wohnen. Sie haben sich gut an die deutsche Kultur angepasst und können sogar schon eine reguläre Schule besuchen. Auch wenn sie anfangs schüchtern waren, tauen sie mittlerweile schnell auf und sind offen für die verschiedensten Aktivitäten. Sie verhalten sich wie Zwillinge, doch trennt man die beiden merkt man, wie unterschiedlich sie sind. Während Fatemeh schon genau weiß was sie will (und was nicht), ist Sogol weitaus experimentierfreudiger. Genauso wie ihre Eltern sind sie sehr froh, an diesem Projekt teilnehmen zu können und bringen uns mit ihrer goldigen Art immer wieder zum Lächeln.“
Nina Heine & Julia Iwan

„Unsere Familie stammt aus Syrien. Bei jedem Besuch werden wir begeistert von unseren Patenkindern Amina und Ali begrüßt. Sie sind 12 und 13 Jahre alt und leben zu sechst mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter in einem Zimmer in einer Pension, ohne eigene Toilette oder Küche! Deshalb weichen wir des Öfteren in das Café aus, das sich im oberen Stockwerk der Pension befindet. Dort helfen wir ihnen mit den Hausaufgaben und spielen gemeinsam Spiele. Beide besuchen eine sogenannte Übergangsklasse in Fürth, da sie noch nicht viel Deutsch können. Mit jedem Besuch merken wir, wie sich ihre Deutschkenntnisse verbessern. Unsere Patenkinder sind unheimlich wissbegierig und lebendig. Sie lassen sich von uns immer wieder für neue Aktivitäten begeistern.“
Angela Lehnert & Vinh Nguyen

Zusätzlich zu den Besuchen bei den Familien organisieren wir regelmäßig Gruppentreffen, bei denen wir alle zusammen etwas unternehmen. Manchmal sind auch Eltern oder Geschwisterkinder mit von der Partie. An diesen Aktionen hatten die Kinder immer besonders viel Spaß. Unsere Nachmittage im Tucherland. im Playmobil Funpark und im Kindermuseum Nürnberg waren dabei besondere Highlights. Für die nächsten Monate planen wir unter anderem einen Besuch des Theaters Pfütze.

Anfangs war es nur ein Projekt. Mittlerweile sind uns die Familien und besonders unsere Patenkinder ans Herz gewachsen, so dass wir uns, ebenso wie die Familien, immer sehr auf unsere Treffen freuen – besonders wenn wir so langsam Fortschritte bei den Deutschkenntnissen der Kinder bemerken.

Ohne die Caritas Fürth als externem Partner wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Auch danken wir dem Förderverein des Gymnasiums Stein für die finanzielle Unterstützung einiger unserer Unternehmungen.